Geschichte
Mitte des 19. Jahrhunderts: Charpie als Wundverband
Mitte des 19. Jahrhunderts wurde Charpie aus Leinenresten von entfetteter Baumwolle als Wundbehandlung verwendet, die alles andere als hygienisch und nur in ungenügender Menge vorhanden waren. Kein Wunder, dass damals tödliche Wundinfektionen zum Alltag gehörten.
1870: Bruns'sche Baumwoll-Charpie
Erst zwischen 1865 und 1870 kam es aufgrund einer bahnbrechenden Neuerung zur entscheidenden Wende. Dem Tübinger Chirurgie-Professor Dr. Victor von Bruns gelang es zum ersten Mal, Baumwolle zu entfetten und auf diese Weise hydrophil (saugfähig) zu machen. Die Bruns'sche Baumwoll-Charpie war hygienisch einwandfrei und theoretisch in unbegrenzter Menge verfügbar - ein Meilenstein auf dem Weg zur modernen Wundbehandlung.
1871: Baeschlins Verbandwatte in der Schweiz
(1845-1887)
Die "Schaffhauser Woll- und Baumwollcarderie" verarbeitete 1871 erstmals auf der Welt Baumwolle im industriellen Massstab zu Verbandwatte. Kurz darauf benannte Heinrich Theophil Baeschlin sein Unternehmen in "Fabrik für medizinische Verbandstoffe" um. Die innovativen Produkte lenkten die Aufmerksamkeit der europäischen Fachwelt zunehmend auf das Unternehmen des Schweizer Pioniers. Mit steigender Nachfrage nach der hergestellten Charpie reifte der Plan des jungen Industriellen Heinrich Theophil Baeschlin, sein Unternehmen international aufzustellen.
1874: Internationale Verbandstoff-Fabrik Schaffhausen
(1845-1887)
Heinrich Theophil Baeschlin wandelte 1874 die "Fabrik für medizinische Verbandstoffe" in die Aktiengesellschaft "Internationale Verbandstoff-Fabrik Schaffhausen" (IVF) um. Die Bezeichnung "International" war nicht zufällig. Damit konnte die IVF ihre Verwandtschaft zum 1864 gegründeten "Internationalen Komitee vom Roten Kreuz" demonstrieren. Als Verwaltungsräte für das neue Unternehmen berief er renommierte Chirurgen aus ganz Europa, die auch gewillt waren, mit ihrem Namen hinter der Geschäftstätigkeit des Unternehmens zu stehen.
1885: Wundbehandlung und Krankenpflege
Schon bald begann die IVF ihr Sortiment umfassend auszuweiten und alles anzubieten, was damals zur Wundbehandlung und Krankenpflege gehörte. Zur Zeit des Deutsch-Französischen Krieges von 1870/71 stellten sich beim Schweizer Sanitätswesen schwerwiegende Mängel heraus. Infolge dessen wies der Bundesrat alle Kantonsregierungen an, ihre Sanitätskisten der IVF zur Neuausstattung einzusenden. Mit seinen Verbandkästen hatte Theophil Baeschlin nicht nur in der Schweiz, sondern auch im Ausland grossen Erfolg.
Zudem baute die IVF ihr Verkaufsnetz aus und eröffnete in Freiburg im Breisgau, Stuttgart, Würzburg, Nürnberg und Berlin, Marseille, Lille, Mailand und Rom weitere Verkaufsstellen. Unter dem Druck der Zölle, welche die Nachbarstaaten der Schweiz zum Schutz der eigenen Industrien erhoben, errichtete die IVF in Montpellier sogar einen Filialbetrieb.
1908: Bezug der Fabrik in Neuhausen am Rheinfall
Aufgrund des stetigen Wachstumskurses, welcher durch eine laufende Erweiterung des Produktsortiments sowie Akquisitionen gekennzeichnet war, wurde 1908 die Fabrik am heutigen Standort in Neuhausen am Rheinfall bezogen.
1937: Eröffnung des Filialbetriebs in Netstal
1937 nahm die IVF den Filialbetrieb am Standort in Netstal auf. Der Entscheid dazu fiel nicht zuletzt aufgrund der hohen Verfügbarkeit an Fachpersonal in der Textilindustrie, welches im Kanton Glarus durch die Vielzahl an Webereien und Spinnereien vorzufinden war. Zudem gab es auch sicherheitstechnische Überlegungen bei der Standortwahl aufgrund des damaligen Verteidigungskonzepts der Schweizer Armee. Da das Konzept nur eine Verteidigung des Landes bis zur natürlichen Grenze des Rheins vorsah, entschied sich die Geschäftsleitung, neben dem grenznahen Firmensitz zu Deutschland auch eine sichere Produktionsstätte im Landesinneren der Schweiz zu betreiben.
1959: Liberalisierung der Vertriebspolitik
Die Verkaufspolitik der IVF wurde 1959 liberalisiert. Auf Druck vieler Grossverteiler traf das Unternehmen den Entscheid, die Markenartikel im Wattesortiment nicht mehr exklusiv an Apotheken und Drogerien zu beliefern, sondern diese Produkte auch im Nicht-Fachgeschäft zu offerieren.
1972: Akquisition der Isoplast AG
1972 akquirierte die IVF die Isoplast AG, welche hochwertige Pflaster vornehmlich für Apotheken und Drogerien produzierte. Die Isoplast AG war eine der grössten Konkurrenten in diesem Produktsortiment. Durch die Zusammenlegung der Geschäftstätigkeit wurde der Entscheid gefällt, nur noch die Pflaster unter der Marke Isoplast zu vertreiben. Die Pflaster der Marke PORO, welche die IVF als Lizenznehmerin der deutschen Firma Lohmann produzierte, wurden nach der Akquisition nicht mehr angeboten.
1984: Übernahme der Kistler AG
Mit der Übername der Kistler AG realisierte die IVF 1984 eine zu dieser Zeit wichtige strategische Option. Neben der Ergänzung des bestehenden Wattesortiments wurden mit der Transaktion auch gleichzeitig fehlendes Know-how sowie die wichtigsten Grossverteiler als Kunden übernommen. Damit stärkte die IVF ihre Konkurrenzfähigkeit und ihre Marktstellung im Wattebereich.
1993: Übernahme der IVF durch die HARTMANN GRUPPE
Im Jahr 1993 übernahm die HARTMANN GRUPPE mit Sitz in Heidenheim an der Brenz, Deutschland, 60 % des Aktienkapitals der IVF, welche bis zu diesem Zeitpunkt von der GALENICA in Bern gehalten wurde. Seither operiert die IVF als Tochterunternehmen unter dem Dach der Marke HARTMANN.
2000: Übernahme der Vlesia AG
Im Jahr 2000 kauft die IVF 100 % des Aktienkapitals der Vlesia AG in Goldach/SG. Die Vlesia AG, welche ihr Geschäftsmodell vollständig auf das Angebot von Inkontinenzprodukten ausgerichtet hatte, ergänzte damit das Produktportfolio der IVF in diesem Bereich.
2007: Umwandlung der IVF Technology AG
Die Umwandlung der IVF Technology AG in eine reine Servicegesellschaft erfolgte in 2007. Gegründet im Jahr 1962 als IVF Maschinenfabrik, produzierte sie als 100 %ige Tochtergesellschaft der IVF HARTMANN GRUPPE hauptsächlich Maschinen für die Unternehmensgruppe. Heute leistet sie ausschliessslich Service- und Wartungsarbeiten an den von ihr hergestellten und verkauften Maschinen.

