Abrechnung von MiGeL-Pflegematerial durch Pflegeheime & Spitex

Ab 1.10.2021 ist die Finanzierung des Pflegematerials neu geregelt

Ab dem 1. Oktober 2021 tritt das neue KVG (MiGeL Revision) in Kraft. Ab dann können Pflegeheime und Spitexorganisationen MiGeL-Produkte direkt mit den Krankenversicherern abrechnen. 

Seit der Neuordnung der Pflegefinanzierung im Jahr 2011, durch welche das Pflegematerial nicht mehr separat vergütet werden sollte, sondern als Teil der Pflegepauschale erachtet wurde, herrschte Unklarheit in der Finanzierung des Pflegematerials. Es gab sogar mehrere Klagen, die vor dem Bundesverwaltungsgericht verhandelt wurden. 
 

Ab 1.10.2021 ist die Finanzierung des Pflegematerials neu geregelt

Mit der Änderung des Krankenversicherungsgesetzes (KVG) per 1. Oktober 2021 nimmt dies nun ein Ende und die Finanzierung ist klar geregelt. Neu ist die OKP (obligatorische Krankenpflegeversicherung) bis zu einem Höchstvergütungsbetrag (HVB) verantwortlich, für Mehrkosten ist es die versicherte Person. 

Dies bedeutet für Heime und Spitexorganisationen, dass Pflegematerialien, die in der Mittel- und Gegenstandsliste (MiGeL) einer Position zugeordnet werden können, mit den Krankenversicherern Ihrer Bewohner/Klienten direkt abrechnen. 

Das gesamte Pflegematerial wurde in 3 Kategorien eingeteilt: 
 

Kategorie A:

Einfaches Verbrauchsmaterial und einfache Geräte, die keinem Bewohner oder Klienten zugeordnet werden können (Desinfektionsmittel, Unter-
suchungshandschuhe, Blutdruckmessgeräte,…). Diese sind weiterhin Bestandteil der Vollkosten und werden nicht separat vergütet.

Kategorie B: Produkte der bestehenden MiGeL wie bspw. Inkontinenzprodukte oder Verbandmaterial. Diese können ab 1.10. direkt mit den jeweiligen Kranken
-versicherern abgerechnet werden.
Kategorie C: Für Produkte, die nur von Pflegekräften angewendet werden können und heute noch nicht in der MiGeL gelistet sind, gilt ein Übergangsjahr. Sie
werden bis zum 30.9.2022 wie bisher nach den kantonalen Regelungen oder Tarifverträgen vergütet. In dieser Zeit können Anträge zur Aufnahme
in die MiGeL an die EAMGK (eidgenössisches Amt für Eidgenössische Kommission für Analysen, Mittel und Gegenstände) gestellt werden. Bei
positivem Bescheid zu diesen Anträgen können auch diese ab 1.10.22 direkt mit den Krankenversicherern abgerechnet werden. Werden Produkte
verwendet, die nicht in die MiGeL aufgenommen wurden, müssen diese direkt dem Bewohner/Klienten in Rechnung gestellt werden.

Für die in Rechnung gestellten Pflegematerialien werden keine Verordnungen/Rezepte benötigt. Lediglich die Pflegeleistung muss vom Arzt angeordnet sein.

Einfache Abrechnung der MiGeL-Pflegematerialien mit HARTMANN easyCare und Schnittstellen zur Finanz-Software

Die IVF HARTMANN bietet mit easyCare eine Lösung, damit die Direktabrechnung mit den Krankenkassen nicht zum administrativen Horror wird: Über HARTMANN easyCare können Produkte pro Bewohner geplant und bestellt werden. Diese bewohnerbezogenen Bestelldaten stehen zur Abrechnung zur Verfügung und es werden mit den mehreren Anbietern von Finanz-Software für die Abrechnung Schnittstellen gebaut, so dass die Daten im Abrechnungssystem bereitstehen. Aktuell sind das die Anbieter Nexus, Lobos und Abacus. 

Mit dieser Lösung hält sich der Aufwand zur Abrechnung in Grenzen, da die Produkte ohnehin bestellt werden müssen. Diese Daten können nun für die Abrechnung genutzt werden und Pflegeheime & Spitexorganisationen haben Zeit für das was wichtig ist: Die Pflege ihrer Bewohner und Patienten. 
 

Weiterführende Informationen zu diesem Thema bekommen Sie in der Aufzeichnung unseres Webinars vom 20. Juli. Hier werden die gesetzlichen Regelungen detaillierter beschrieben, die einfache Bedienung von HARTMANN easyCare präsentiert und Fragen der Teilnehmer beantwortet. 

Häufig gestellte Fragen

Wir haben die häufig gestellten Fragen rund um das Thema Abrechenbarkeit von Pflegematerial, MiGeL Revision und unserer Abrechnungs-Lösung HARTMANN easyCare folgend für Sie gesammelt. 

Fragen bezüglich der Abrechenbarkeit von Pflegematerial und zur MiGeL

Leider nein. In der MiGeL sind folgende konkrete Beispiele genannt: 
Einfache Verbrauchsmaterialien mit direktem Bezug zu den Pflegeleistungen (z.B. Handschuhe, Gaze, Desinfektionsmittel, Maske und Schutzkleidung) sowie Material und Gegenstände zum Mehrfachgebrauch (z.B. Blutdruckmessgeräte, Stethoskope, Fieberthermometer, spezielle ergonomische Kissen, wiederverwendbare Instrumente wie Scheren und Pinzetten). 
 

Einfache Verbrauchsmaterialien mit direktem Bezug zu den Pflegeleistungen sind in Kategorie A gelistet. Diese fliesen in die Betriebskosten und werden nach den Regeln der Pflegefinanzierung vergütet. Viele dieser Produkte sind auch keine Medizinprodukte (wie bspw. die genannten Einmalwaschlappen) und könnte so auch gar nicht in der MiGeL aufgenommen werden. 

Es dürfen alle Produkte MiGeL-Produkte abgerechnet werden, für die eine Fremdanwendung vorgesehen ist und keine Limitation besteht. Gewisse Positionen haben die Limitation, dass sie nur vergütet werden, wenn sie von Pflegefachfrauen und -männern verwendet werden, die den Beruf selbständig und auf eigene Rechnung ausüben, da angenommen wird, dass gewisse Geräte bereits durch Heime/Spitexorganisationen angeschafft wurden. 

Dies ist im Gesetz nicht geregelt. Wir gehen davon aus, dass die Krankenkassen die Kosten bis max. zum HVB Pflege erstatten, so dass die Verrechnung von allfälligen Mehrkosten durch Sie an die Bewohner/Klienten verrechnet werden müssten. 

Dies ist unserer Ansicht nicht notwendig, da mit unseren attraktiven Preisen die Gefahr einer Überschreitung der HVB Pflege sehr gering ist. 

Sie rechnen Ihren Einkaufspreis zzgl. Overheadaufschlag zulasten der Krankenkasse ab, solange der jährliche HVB Pflege nicht erreicht ist. Ab dieser Grenze müssten Sie die Mehrkosten dem Bewohner verrechnen. Dies wird in seltensten Fällen der Fall sein. Sind diese medizinisch begründet (zum Beispiel durch entwässernde Medikation), kann über den Arzt ein Antrag auf Kostengutsprache bei der Krankenkasse gestellt werden. 

Da wir über HARTMANN easyCare zusammen mit unseren Partnern ein Vollsortiment an medizinischen Verbrauchsgütern anbieten, ist aktuell keine breite Sortimentserweiterung angedacht. Wenn Ihnen jedoch Produkte fehlen, sind wir natürlich offen. 

Die bestehenden kantonalen Regeln oder bestehende Tarifverträge gelten noch im Übergangsjahr bis 30.9.2022. Im Anschluss wird vergütet, was in der MiGeL gelistet ist. Alle anderen Produkte müssten dem Bewohner/Klienten in Rechnung gestellt werden. 

Die Anträge werden ans Sekretariat der EAMGK (Eidgenössischen Kommission für Analysen, Mittel und Gegenstände) gesendet. Weitere Informationen zum Antragsprozess finden Sie unter diesem Link

Sauerstoff ist sowohl für Fremd- wie auch für Selbstanwendung angedacht und gehört somit in die Kategorie B. 

Diese fallen in die Kategorie B, da sie sowohl für Selbst- wie auch Fremdanwendung in Frage kommen. Sie sind heute bereits in der MiGeL gelistet, bitte beachten Sie die Limitationen: 

In HARTMANN easyCare wird der „HVB Pflege“ in unsere Verkaufseinheiten umgerechnet. Wenn Sie eine kleinere Packungsgrösse als 50 Stück beim Bewohner hinterlegen, wird auch nur diese an die Finanz-Software zur Abrechnung gemeldet. 

Für die Sauerstoff-Therapie gibt es einen „HVB Pflege“, da auch eine Fremdanwendung vorgesehen ist. Die Vergütung der Sauerstofftherapie ist jedoch in verschiedenen Punkten limitiert, bspw. bedarf eine kontinuierliche Sauerstoff-Langzeittherapie eine Kostengutsprache des Versicherers, der die Empfehlung des Vertrauensarztes/-ärztin berücksichtigt. Gewisse Positionen werden auch nur für Pflegefachfrauen und -männer, die den Beruf selbständig und auf eigene Rechnung ausüben, übernommen. 
Dieses Kapitel ist umfangreich und in der MiGeL unter der Position „14.10 Sauerstofftherapie“ nachzulesen. 
 

In den Positionen zur Füllung der Sauerstoff-Druckgasflaschen ist das Verbrauchsmaterial inkludiert (Positionen 14.10.01.-14.10.03). Bitte beachten Sie auch die Limitationen!

Bewohner mit Ergänzungsleistungen können zusätzlich weitere Ausgaben / Krankheitskosten geltend machen. Es gilt sicher zu prüfen, ob die Versorgung wirtschaftlich und zweckmässig ist, denn wenn sie medizinisch begründet werden kann, kann über den Arzt beim Krankenversicherer eine Erhöhung des maximal verfügbaren Betrages gestellt werden. 

In den Positionen zur Füllung der Sauerstoff-Druckgasflaschen ist das Verbrauchsmaterial inkludiert (Positionen 14.10.01.-14.10.03). Bitte beachten Sie auch die Limitationen!

Unseres Wissens gab es keine globale/generelle Änderung der MiGeL-Positionsnummern. Die MiGeL ist jedoch in ständiger Bearbeitung mit mehreren Änderungen jährlich, so dass Positionen entfernt oder hinzukommen können. Auch die HVB werden ständig angepasst. 

Fragen zum Umgang mit HARTMANN easyCare bezüglich Abrechnung

Wir bieten HARTMANN easyCare unseren Kunden als Serviceleistung kostenlos an. Auch die Investition zum Aufbau der Schnittstellen auf unserer Seite tragen wir. Welche Kosten auf Seite Ihrer Finanzsoftware für die Schnittstelle anfallen (Implementierung/Lizenz) müssten Sie mit Ihrem Dienstleister klären. 

Nein. HARTMANN easy ordnet die Produkte über die Bestellung und nicht über den Verbrauch zu. Dies ist unserer Ansicht nach effizienter, da die Bestellung ohnehin gemacht werden muss und so auf eine Dokumentation des Verbrauchs verzichtet werden kann. So benötigen Sie weniger Zeit für die Administration und haben mehr Zeit für Ihre Bewohner/Klienten. 

Nein, easyCare meldet ausschliesslich Ihre Netto-Einkaufspreise. Da die Overheadkosten je Heim unterschiedlich sind, müssten Sie das in der Finanz-Software individuell zuschlagen. 

Alle Artikelstammdaten unserer Partner wie Puras sind in der HARTMANN easyCare Datenbank und werden bei easy-Bestellungen an die Finanz-Software exportiert. 

Da es sich bei HARTMANN easy um eine Software zur Planung der Pflegematerialien pro Bewohner mit anschliessender Bestellung dieser und Export der Daten an die Finanz-Software handelt, ist dies nicht möglich bzw. sinnvoll. Beachten Sie aber bitte, dass wir durch die Zusammenarbeit mit Partnern nicht nur HARTMANN-Produkte anbieten. 

Alle Produkte die in der MiGeL-gelistet sind, können verrechnet werden. Tupfer sind beispielsweise enthalten, sterile Pinzetten erst sobald sie über die Kategorie C in der MiGeL aufgenommen wurden. Diese können in easyCare auf den Bewohner geplant werden, solange sie benötigt werden. Es stellt sich die Frage, ob es sich bei geringem Warenwert lohnt, diesen administrativen Aufwand zu betreiben. Diese Kosten-Nutzen Abschätzung muss jeder für sich treffen. 

Die Produkte wurden für den Bewohner bestellt und mit seinem Krankenversicherer abgerechnet. Deshalb geht das bestellte Pflegematerial in die Erblassenschaft. Es ist davon auszugehen, dass die Erben dieses Ihnen wahrscheinlich als Schenkung zur Verfügung stellen. 

Sowohl bei Feriengästen, wie auch bei „speziellen Ereignissen“ ist eine mögliche Lösung, dass Sie die Produkte aus Ihrem Zentrallager „vorfinanzieren“ und auf den Feriengast/Bewohner nachbestellen. Dies am einfachsten über easyOrder ohne zusätzliche Erfassung im Wochenplan einmalig auf den Bewohner bestellen. 

Sie können die Produkte aus Ihrem Zentrallager nach Entnahme bequem über easyOrder auf den Bewohner bestellen und die Lücke im Zentrallager wieder füllen. 

Ich gehe davon aus, dass bereits eine Schnittstelle von BESA zu Lobos besteht, da Sie ja wahrscheinlich die Pflegeleistungen, die über BESA erfasst werden, über Lobos abrechnen. Die Daten von HARTMANN easyCare kommen über eine Schnittstelle ins LOBOS-System für die Abrechnung der Pflegematerialien. 

In HARTMANN easyCare wird immer der Preis der bestellten Packungseinheit angezeigt und diesen können Sie abrechnen, solange der maximale jährliche Höchstvergütungsbetrag für den jeweiligen Inkontinenzgrad noch nicht erreicht wurde. Zusätzlich zeigen wir bei der Bestellung der Produkte, wie viel des jährlichen HVB pro Bewohner ausgeschöpft ist (dafür müssen Sie auf Bewohner den einmalig Inkontinenzgrad pflegen). 

Die Abrechnung mit den Krankenkassen läuft weiterhin mit Ihrer Finanzsoftware (Nexus, Lobos, Abacus,..). Die Daten kommen aus easyCare sofern Sie die Produkte auf den Bewohner planen und bestellen. Ein Rezept benötigt es nicht, lediglich die Pflegeleistung muss angeordnet sein. 

Wir empfehlen pro Station eine/-n Verantwortliche/-n, der die Pläne und Klienten in HARTMANN easy anpasst (nicht nur für die Inkontinenz-, sondern für alle Produkte). Dann sind die Kompetenzen pro Station in einer Person gebündelt und die verschiedenen Verantwortlichen pro Station im Haus, können sich gegenseitig vertreten. 

Nein. Dadurch, dass easyDok zur Pflegedokumentation und nicht zur Abrechnung genutzt wird, ist keine Schnittstelle notwendig. 

Ja, da die Firma Domis neu Teil der Firma Nexus Schweiz AG ist. Kontaktieren Sie bitte Nexus für die Implementierung der Schnittstelle. 

Diese Schnittstelle ist aktuell nicht geplant, sollten noch weitere Kunden Interesse anmelden, werden wir das gerne prüfen. 

Ja, bitte kontaktieren Sie Root/Perigon bei Interesse, damit die Schnittstelle bei Ihnen implementiert werden kann. 

Weitere Informationen zu Abrechnung mit MiGeL Plfege-Materialien

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