
Nach fünf Jahren und zwölf Stunden im Ziel
Philipp Bosshard ist jetzt auch offiziell ein Ironman
Seit 2018 war es Philipp Bosshards Ziel, einen Long-Distance-Triathlon (Ironman) zu bestreiten. Viele hielten das für unmöglich: 226 km nonstop Leistung – und das nach seinem schweren Brandunfall. Am 9. September bewies Philipp, dass nichts unmöglich ist, trotz Handicaps und Hitze. Philipps Leistung ist unglaublich. Sie macht nicht nur ihn überglücklich, sondern auch alle, die ihn auf seinem Weg begleitet haben.
„Ich wusste, dass ich den Wettkampf in etwa 12 Stunden schaffen wollte. Aber ich wusste nicht, was das bedeutete.“ Als Philipp am 9. September am frühen Morgen am Start der Challenge Almere Amsterdam stand, war er ebenso aufgeregt wie zuversichtlich. „Im Training machst du nie die volle Wettkampfdistanz. Du trainierst die einzelnen Disziplinen. Deshalb wusste ich nicht, wie ich die 226 km wirklich durchstehen würde.“ Gleich vom Start weg lief es gut. Die erste Disziplin, der 3.8 km-Swim, war in 1:23 h absolviert. Danach gings aufs Bike. Die völlig flache Radstrecke kannte Philipp schon vom letzten Jahr. „Mein Engadiner Höhentraining macht sich da natürlich doppelt bezahlt. Schwierig wurde es aber wegen der zunehmenden Hitze.“

Start morgens um 7 Uhr: „Jetzt heisst es 12 Stunden durchpowern.“
„Das Omega-Hoch war mein Hauptgegner.“
Philipp und sein Coach Semira Bontognali hatten sich für den Start in Almere Amsterdam entschieden, weil sie auf niedrige Temperaturen und eine kühlende Meeresbrise hofften. Vergeblich! Am Wettkampftag sollte das Thermometer auf 30° klettern. Das Omega-Hoch sorgte für Windstille und Rekordhitze.
„Da ich wegen meiner Narbenhaut nicht schwitzen kann, ist die Überhitzung mein Hauptproblem. Ich kenne meine Grenzen mittlerweile ziemlich genau. Umso mehr ist es eine besondere Herausforderung, an diese Grenzen zu gehen. Denn ich weiss: Jenseits dieser Grenze geht gar nichts mehr.“

The Winning Team: „Coach Semira ist die Powerfrau hinter meinem Erfolg.“
„Es war Teamwork auf der ganzen Strecke“
Kühlung, Kühlung, Kühlung: Bei der Wettkampfplanung geht es für Philipp und Coach Semira auch immer darum, genau abzuklären, wie und wo die erforderlichen Kühlmassnahmen eingesetzt werden können. Eine dieser Massnahmen ist die spezielle Nackentasche im Laufdress, die sich immer wieder mit Crushed Ice befüllen lässt. Coach Semira organisiert den Eis-Nachschub und liefert unterwegs die dringend benötigte Erfrischung. „Ohne Semiras grossen Einsatz und ihre sorgfältige Planung wäre meine Leistung gar nicht möglich. Auch wenn ich alleine unterwegs bin, jeder Wettkampf ist für mich Teamwork. Das hat sich bei meinem ersten Langdistanz-Wettkampf ganz besonders gezeigt.“

So viel Glück: „Davon hatte ich 226 km lang geträumt.“
„Vor 5 Jahren gestartet, jetzt im Ziel.“
Der Zieleinlauf nach 11 Stunden und 57 Minuten war ein zutiefst bewegender Moment. Seit 2016 hatte Philipp den Entschluss, die Ironman-Distanz zu absolvieren, im Hinterkopf. Seit 2018 hatte er sich konkret darauf vorbereitet. „Es geschafft zu haben, trotz aller Herausforderungen und der Hitze... das war ein mega Gefühl. Noch schöner aber waren die vielen herzlichen Umarmungen und Gratulationen. Das war wunderbar. Umso dankbarer bin ich all jenen, die an mich und meine Pläne geglaubt haben. Das hat mir die nötige Power gegeben, gerade auch als ich auf der fast schattenlosen Marathon-Strecke ans Aufgeben dachte.“
Bei allen Superlativen, die Philipps sportliche Leistung auszeichnen: Ihm geht es nicht bloss darum, scheinbar Unmögliches möglich zu machen. „Ich werde bisweilen gefragt, wo ich denn die Willenskraft für solche mega Leistungen hernehme. Für mich geht`s weniger um die Willenskraft, es ist eher die Lebenskraft, die mich antreibt. Und diese hat so viele Quellen: Freunde, Familie, Teamwork, Natur, Berge, Bewegung... Wenn du’s so siehst, bist du ein anderer Athlet.“