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Schritt für Schritt zur sicheren Kompression  

Die Kompression des Beines mithilfe von Kompressionsverbänden

Die Kompression des Beines mithilfe von Kompressionsverbänden ist eine unverzichtbare Therapieoption. Unsachgemäss angewendet, birgt sie aber auch Risiken für den Patienten. Hier einige Tipps, um die Therapie sicherer zu machen. 


Auch wenn die Kompressionstherapie bei Patienten eher unbeliebt ist und häufig abgebrochen wird, ist der Kompressionsverband die wirkungsvollste Massnahme, um direkt eine der wesentlichsten Ursachen von Venen- und Ulkusleiden zu beseitigen, nämlich den Blutrückstau in den Venen oder medizinisch ausgedrückt die „venöse Stase“. 


Die mangelnde Mitarbeit von Patienten kann zum Teil auch daran liegen, dass der Kompressionsverband nicht gut angelegt ist und Unbehagen und Schmerzen verursacht, sodass die wohltuende Wirkung einer Kompression gar nicht erlebt werden kann. Denn bei einem richtig angelegten Kompressionsverband tritt in der überwiegenden Zahl der Fälle rasch Schmerzfreiheit auf, was Patienten für die Behandlung motiviert. Voraussetzung für die Wirksamkeit der Kompressionstherapie sind dabei eine exakte Indikationsstellung, gute Materialkenntnisse und Erfahrung im Anlegen der Verbände.


Was bewirkt die Kompression des Beines?

Illustrierte Darstellung korrekte Anwendung Verband

Die Wirkung eines Kompressionsverbandes ist einfach zu verstehen: Er umgibt das Bein rundum mit so festem Druck, dass die krankhaft erweiterten Venen eingeengt werden. Dadurch können die Venenklappen, mit deren Hilfe das Blut zum Herzen zurücktransportiert wird, wieder schliessen bzw. wird die Klappenfunktion zumindest verbessert. Damit erhöht sich die Strömungsgeschwindigkeit des venösen Blutes, der Rücktransport des Blutes zum Herzen wird normalisiert. Mit der verbesserten Rückströmung des Blutes werden aus dem geschädigten Gewebe auch Flüssigkeitsansammlungen und Stoffwechselprodukte abtransportiert. „Versumpftes“ Gewebe wird „trockengelegt“, Schwellungen und Ödeme bilden sich zurück, offene Geschwüre können abheilen. Die Gefahr, dass neue Entzündungen und Blutgerinnsel (Thromben) entstehen, wird entscheidend verringert. Gleichzeitig dient der Kompressionsverband der schlaffen Beinmuskulatur als ein festes Widerlager und verbessert damit die Arbeit der sog. Wadenmuskelpumpe, die beim Rücktransport des Blutes ebenfalls eine wichtige Rolle spielt. 


Die Konsequenzen daraus

Ausreichend therapeutische Effekte lassen sich am ehesten durch hohe Arbeitsdrücke bei Bewegung erreichen. Deshalb werden in der phlebologischen Therapie Kurzzugmaterialien (Pütterbinde/ PütterFlex, Varolast Plus, PütterPro 2) bevorzugt, da diese den Therapieanforderungen am besten gerecht werden. Durch den rhythmischen Wechsel von sehr hohem und niedrigem Kompressionsdruck wirken die Druckspitzen bei Muskelkontraktion (Anspannung) bis in die Tiefe, während bei Muskelrelaxation (Entspannung) die nutritiven, der Ernährung dienenden Gefässbereiche der Endstrombahn, entlastet werden.

Dagegen stehen die Blutgefässe bei Verbänden mit relativ niedrigem Arbeits- und hohem Ruhedruck (Langzugbinden) unter einem konstanten Dauerdruck, dessen Wirkung auf die Oberfläche beschränkt bleibt. Bei Abnahme eines solchen Verbandes ergiesst sich zudem das Blut in die entlasteten Gefässe. Es entsteht ein starker Juckreiz, der für den Patienten nicht nur unangenehm, sondern sehr belastend ist.


Welche Kompression bei welcher Indikation?

Entsprechend dem Befund entscheidet und verordnet der behandelnde Arzt, welche Kompressionsmassnahme angezeigt ist.

  • In der akuten Phase einer CVI mit ausgeprägten Stauungen und Ödemen und / oder einem floriden (blühenden) Ulcus cruris venosum ist ein Kompressionsverband aus Zinkleimbinden 
    Varolast Plus
     oder ein leitliniengerechter phlebologischer Kompressionsverband (PKV) aus Kurzzugbinden wie 
    PütterFlex
     und
    Pütterbinde
    mit Unterpolsterung und Hautschutz (z. B. 
    Coverflex fast
     oder 
    Stülpa
    /
    Tubegaze 100% BW
    ) indiziert. 
     
  • Ist das Bein gut entstaut, sind Mehrkomponenten-/-lagensysteme wie 
    PütterPro 2
     eine Alternative, die meist über mehrere Tage angelegt bleiben können. 
     
  • Nach der Ulkusabheilung kommen üblicherweise individuell angepasste medizinische Kompressionsstrümpfe (MKS) in indikationsgerechter Kompressionsklasse zur Erhaltungstherapie zur Anwendung.


Ohne Diagnose geht es nicht 

Wichtigste Voraussetzung für eine erfolgreiche Ulkusabheilung ist die exakte Diagnose durch einen erfahrenen Arzt. Denn wenn auch mindestens 70 % aller Beingeschwüre ihre Ursache in einer CVI haben, müssen gerade bei älteren Patienten andere Ursachen ausgeschlossen werden, um die Therapiesicherheit zu gewährleisten. Handelt es sich z. B. um ein gemischt arteriell-venös oder diabetisch bedingtes Ulkus, darf eine Kompressionsbehandlung – wenn überhaupt – nur unter bestimmten Voraussetzungen erfolgen. 

Bei besonders hartnäckigen Ulzera, die sich jeder Therapie widersetzen, ist „rechtzeitig“ eine Probeexzision anzuraten, um eventuelle Krebserkrankungen als Geschwürursache auszuschließen. Eine exakte Diagnose beugt auch dem Fall vor, dass ein Beingeschwür über Monate hinweg mit allen möglichen Präparaten behandelt wird, was nicht nur teuer ist, sondern dem Betroffenen auch schwere Kontaktallergien bescheren kann.  


Kontraindikationen beachten  

Blutzuckermessung

Vorsicht ist vor allem bei älteren Venen- und Ulkuspatienten mit Begleiterkrankungen wie Herz-Kreislaufkrankheiten oder Diabetes mellitus geboten. Der Grund hierfür: Die Kompressionstherapie wirkt nicht nur auf die Venen, sondern auch auf die Arterien und das umgebende Gewebe. Durch die mitunter erheblichen Ödemausschwemmungen kann es zu Reaktionen im gesamten Kreislauf kommen, die zu Komplikationen führen können. In der aktuellen S2k-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Phlebologie (DGP) werden folgende Kontraindikationen aufgeführt: fortgeschrittene periphere arterielle Verschlusskrankheit, dekompensierte Herzinsuffizienz, septische Phlebitis und Phlegmasia coerulea dolens. 



Mit KADI auf der sicheren Seite 

Diagnostik Knöchel

Ohne Kenntnis der Durchblutungssituation in den arteriellen Unterschenkelgefässen ist eine Kompressionstherapie nicht zu verantworten. Die Ermittlung des Knöchel-Arm-Druck-Index (KADI/ABI) durch die nichtinvasive Massnahme einer dopplersonografisch optimierten Blutdruckmessung ist deshalb unverzichtbar. Aus den Werten wird (mithilfe eines „ABI-Kompasses“) ein Index ermittelt, der anzeigt, ob eine Kompression gefahrlos durchführbar ist. 



Tipps nach den Leitlinien der DGP (Deutsche Gesellschaft für Phlebologie)

  • Um Schnürfurchen zu vermeiden, darf die Binde nicht in eine beliebige Richtung gezogen werden, sondern muss freilaufen, wobei Ober- und Unterkante der Binde den gleichen Auflagedruck haben. Bei dieser Technik entstehende Lücken im Verband werden mit der nächsten Binde abgedeckt. Die nach aussen geführte Bindenrolle gewährleistet, dass der Verband eng am Bein geführt wird.
     
  • Kleine Radien wie die Knöchelregion und die Schienbeinkante oder die Achillessehne werden zur Vergrösserung des Radius abgepolstert, flächige Regionen werden zur Verkleinerung des Radius aufgepolstert. Als Polstermaterial kommen wenig komprimierbare Schaumstoffe wie vorgefertigte Pelotten oder synthetische Polsterwatten in Betracht. Insbesondere beim Ulcus cruris venosum im Knöchelbereich kann der Druck durch Auflegen einer Pelotte verstärkt werden, was zu einer rascheren Abheilung führen kann.
     
  • Der Verband deckt die Zehengrundgelenke mit ab. Bei einem starken Ödem werden die Zehen mit bandagiert.
     
  • Der PKV kann als Unter- oder Oberschenkelverband ausgeführt werden. Für die meisten Indikationen, z. B. beim UCV, reicht der Unterschenkelkompressionsverband aus. Bei der proximalen tiefen Beinvenenthrombose, der Varikophlebitis im Oberschenkelbereich oder nach Operationen und Verödungen proximal des Unterschenkels ist ein Oberschenkelkompressionsverband erforderlich.
     
  • Grundsätzlich muss sich der Verband dem Bein anpassen und nicht das Bein der Binde. Je nach Beinumfang sind 8 cm oder 10 cm breite Binden am besten geeignet.
     
  • Die Ferse wird miteingebunden.
     
  • Der Verband sollte möglichst nur bei einer Sprunggelenkstellung im Winkel von 90° (rechtwinkelig) angelegt werden, da der Umfang im Bereich des Sprunggelenks bei 90° etwa 1,5 cm grösser ist als bei Plantarflexion des Fusses. Ein in Flexionsstellung (gestreckter Stellung) angelegter Kompressionsverband wäre also in stehender Position viel zu eng und würde eine schmerzhafte Schnürfurche hervorrufen.


Download "Tipps nach den Leitlinien der DGP"

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Prinzipielle Anlegetechnik beachten

Es gibt eine Vielzahl von individuellen Verbandtechniken, meist mit Eigennamen belegt, die genaue Angaben zur Vorgehensweise machen. Aber unabhängig davon gilt für das Anlegen von Wechsel- und Dauerverbänden:

  • Ein guter Verband soll das Bein allseitig fest umschliessen,
  • in seinem Anlegedruck von distal nach proximal gleichmässig nachlassen (d. h. der Druck durch den Kompressionsverband ist im Fesselbereich am höchsten und nimmt zum Knie hin kontinuierlich ab)
  • Knöchel oder Kanten über dem Schienbein und der Achillessehne sollen seitlich gepolstert werden, um hier die stärkere Wölbung auszugleichen und damit den lokalen Andruck herabzusetzen.
  • Umgekehrt lässt sich der örtliche Andruck verstärken, wenn Vertiefungen und Hohlkehlen (Bisgaard‘sche Kulisse) mit festen Pelotten ausgepolstert werden.
  • darf nirgends drücken oder einschnüren.

Ein richtig angelegter Verband vermittelt das Gefühl eines festen Haltes und wird als angenehm empfunden. Vorhandene Schmerzen lassen nach. Verstärken sich Schmerzen oder treten gar neue auf, die beim Umhergehen nicht verschwinden, muss der Verband unbedingt abgenommen werden.

Des Weiteren gilt: Unabhängig von der Indikation und vom verwendeten Bindenmaterial erreicht der phlebologische Kompressionsverband seine volle Wirksamkeit erst in Verbindung mit Bewegung. Die Behandlung soll möglichst ambulant durchgeführt werden. Ebenso ist Bettruhe des Patienten zu vermeiden. Langes Sitzen ist jedoch noch ungünstiger als Liegen. Probleme im Hinblick auf ausreichend Bewegung ergeben sich vor allem beim geriatrischen Patienten. Aber selbst ein Herumgehen in der Wohnung oder ein Auf- und Abgehen mit dem Rollator auf Alten- und Pflegeheimfluren sollte genutzt werden. Gegebenenfalls kann auch die Anleitung zum „Venensport“ – wie Füsse kreiseln oder auf- und abwippen – hilfreich sein, insbesondere bei immobilen Patienten.



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