älterer Mann löst ein Puzzel

Demenz bei Bewohnern in Pflegeheimen

Demenz verändert das ganze Leben. Betroffene und ihre Familien benötigen in vielen Lebensbereichen Unterstützung. Um eine bestmögliche Versorgung sicherzustellen, kommen immer mehr Betroffene in ein Pflegeheim. Wir haben Ihnen aus verschiedenen Quellen1 hilfreiche Informationen zum Umgang mit Vergesslichkeit, Aggressionen, Schmerzen oder Lauftendenzen zusammengestellt. Aber auch was bei der Pflege zu beachten ist und wie Sie eine demenzfreundliche Versorgung sicherstellen können.  


Was ist Demenz?  

Demenz ist keine eigene Krankheit, sondern ein sogenanntes Syndrom. So nennen Ärzte eine Kombination bestimmter Symptome. Eine Demenz ist vor allem durch diese Symptome gekennzeichnet: 

  • Verlust des Kurzzeitgedächtnisses 
  • Einschränkung bei der Kommunikation und Sprache 
  • Einschränkung des Denkvermögens 
  • Auffälliges Verhalten oder psychische Instabilität 
  • Veränderung von Wahrnehmung und Orientierung 

Treten diese Symptome dauerhaft und länger als sechs Monate auf und werden im Verlauf stärker, handelt es sich vermutlich um ein „demenzielles Syndrom“, also umgangssprachlich eine „Demenz“. Die Symptome, und damit die Demenz, kann von ganz unterschiedlichen Krankheiten hervorgerufen werden. Man spricht dabei von „Demenzformen“. Also zum Beispiel Alzheimer-Demenz oder vaskuläre Demenz. 


Demenzarten & Demenzformen 

Grundlegend werden primäre und sekundäre Demenzen unterschieden.  

Bei primären Demenzen, der häufigeren Art, liegt die Ursache direkt an Veränderungen im Gehirn.  

Sekundäre Demenzen werden indirekt durch äussere Einflussfaktoren wie Medikamente, Alkoholmissbrauch (Korsakow Demenz) oder schädliche Umwelteinflüsse ausgelöst. 


Alzheimer-Demenz

Alzheimer ist die häufigste Ursache für Demenz. Aus bislang ungeklärten Gründen sterben bei Alzheimer nach und nach Nervenzellen im Gehirn ab, was dann die Symptome der Demenz herbeiführt. Kennzeichnend für Alzheimer ist insbesondere der frühe Verlust des Kurzzeitgedächtnisses. Alzheimer tritt vor allem im zunehmenden Alter auf. 

Frontotemporale Demenz

Die Frontotemporale Demenz / Morbus Pick ist, genau wie Alzheimer, auch eine neurodegenerative Krankheit. Das heisst, sie führt zu einem Rückgang von Nervenzellen im Gehirn. Besonders ist aber, dass die Nervenzellen vor allem im Stirn- und Schläfenbereich zurückgehen. Das führt dazu, dass frontotemporale Demenz vor allem die Persönlichkeit und das soziale Verhalten der betroffenen Person verändert und weniger das Erinnerungsvermögen beeinträchtigt. Frontotemporale Demenz tritt oft bei jüngeren Menschen zwischen 45 und 60 Jahren auf, in Einzelfällen sogar schon ab dem 20. Lebensjahr. 

Lewy-Körper-Demenz/ Lewy-Body-Demenz

Die Lewy-Körper-Demenz (auch Lewy-Body-Demenz) ist ebenfalls eine neurodegenerative Erkrankung. Ihren Namen hat sie von den sogenannten „Lewy-Körperchen“, welche für den Rückgang von Nervenzellen in der Hirnrinde verantwortlich sind. Typische Symptome sind optische Sinnestäuschungen, auch Halluzinationen genannt, sowie motorische Störungen. Auch ein rascher Wechsel von Wachheit zu Müdigkeit im Tagesverlauf kommt häufig vor. Betroffen sind vor allem Menschen ab 60 Jahren. 

Parkinson-Demenz

Im Zusammenhang mit Parkinson entwickelt sich bei circa 30 bis 40 Prozent der Betroffenen auch eine dementielle Erkrankung. Man spricht dann von einer Parkinson-Demenz. Die Symptome von Parkinson und Demenz lassen sich aber für Laien nicht immer klar unterscheiden, deshalb wird Parkinson-Demenz leider oft spät diagnostiziert.

Vaskuläre Demenz

Vaskuläre Demenz bedeutet, dass nicht die Nervenzellen selbst zurückgehen, sondern das Hirngewebe durch Durchblutungsstörungen nachhaltig geschädigt wurde. Als Resultat sterben ebenfalls Nervenzellen ab, aber mit einer anderen Dynamik. Anders als die neurodegenerativen Erkrankungen, die eher schleichend voranschreiten, verändert sich eine vaskuläre Demenz schubweise und damit oft recht plötzlich. 

Typische Ursachen sind langwährender unbehandelter Bluthochdruck (Morbus Binswanger) oder Schlaganfälle (Multi-Infarkt-Demenz). Die Beeinträchtigungen durch vaskuläre Demenz können sehr unterschiedlich sein, äussern sich aber vor allem in den Bereichen Gedächtnis, Sprache, Denkvermögen, Bewegung und Orientierung. Vaskuläre Demenzen können, zum Beispiel durch Schlaganfälle, in jedem Alter auftreten. Sie häufen sich aber bei älteren Menschen. 


Demenz Früherkennung: Anzeichen und Symptome von Demenz 

Wird ein Mensch vergesslich, zerstreut oder zeigt auffälliges Verhalten, das sich nicht ohne Weiteres erklären lässt, liegt schnell der Verdacht auf eine Demenz nahe. Gerade, wenn die Person schon etwas älter ist. Andererseits ist nicht jede Vergesslichkeit ein Zeichen von Demenz und auch ältere Menschen dürfen sich natürlich mal ungewöhnlich verhalten. 

Vergessen Sie aber nicht, dass die Diagnose Demenz vielen Menschen Angst macht. Diese Angst ist für viele ein Grund, erste Anzeichen zu verdrängen, zu überspielen und einem klärenden Termin beim Arzt aus dem Weg zu gehen. Dabei hilft eine frühe Diagnose massgeblich, besser mit der Krankheit umzugehen und noch lange ein gutes Leben mit Demenz zu führen. 

Wenn Sie den Verdacht haben, dass eine Person an einer Demenzform erkrankt sein könnte, sollten Sie mit Einfühlungsvermögen aber auch Nachdruck bei den Angehörigen darauf bestehen, diesen Verdacht abzuklären. 


Diese ersten Anzeichen können bei der Demenz Früherkennung helfen: 

  • Die Person hat Probleme mit dem Kurzzeitgedächtnis und erzählt immer wieder die gleichen alten Geschichten
  • Die Person verlegt regelmässig Gegenstände an ungewöhnlichen Orten
  • Die Person hat Probleme, die richtigen Worte für Alltagsgegenstände zu finden
  • Die Person vermeidet komplexe Aufgaben und das Lesen längerer Texte
  • Die Person zieht sich stark zurück und geht kaum mehr raus

All diese Anzeichen können, müssen aber nicht auf eine kognitive Störung oder eine Demenz hindeuten.  


Pflege und Betreuung von Menschen mit Demenz in Heimen 

Die Pflege und Betreuung von Menschen mit Demenz ist eine echte Herausforderung. Zu Beginn der Erkrankung reicht oft ein wenig Unterstützung im Alltag aus, doch im weiteren Verlauf wird der Bedarf an Hilfe immer grösser. Irgendwann benötigen die betroffenen Personen dann dauerhafte Betreuung und intensive Pflege in Form von tatkräftiger Unterstützung beim Essen, Trinken, Ankleiden und bei der Körperhygiene. 

Der Anteil von Menschen mit Demenz in den Pflegeheimen liegt deutlich höher als bisher angenommen. Dies bestätigen zwei im Auftrag der Schweizerischen Alzheimervereinigung durchgeführte Studien. 

Menschen mit Demenz im Heim werden häufiger mit risikoreichen Medikamenten behandelt und müssen für ihren Heimaufenthalt mehr Kosten selbst übernehmen als andere Bewohner/innen.   


Demenz betrifft rund zwei Drittel der Bewohner/ innen 

47.6% der Heimbewohner/innen haben eine ärztlich diagnostizierte Demenz. Bei weiteren 16.9% ist aufgrund ihrer Einstufung auf der Skala der kognitiven Leistungsfähigkeit (CPS) ein Demenzverdacht begründet. Insgesamt liegt bei 64.5% der Heimbewohner/innen entweder eine Demenzdiagnose oder ein Demenzverdacht vor. Das sind die Ergebnisse einer umfassenden Studie mit RAI-Daten aus 386 Heimen in 15 Kantonen (= knapp 30% aller Pflegeheim-Plätze in der Schweiz).2 RAI (Resident Assessment Instrument) ist ein Einschätzungsinstrument zur Abklärung des Pflegebedarfs. Es wird primär in der Deutschschweiz und im Tessin eingesetzt. Die Westschweizer Kantone Genf, Jura, Neuchâtel und Waadt verwenden das Assessment-Instrument PLAISIR. Eine Auswertung basierend auf Daten dieser Kantone zeigt, dass 41.2% der Heimbewohner/innen eine Demenzdiagnose haben.3 Berücksichtigt man zusätzlich die Personen mit einem Demenzverdacht erhöht sich der Anteil der Menschen mit Demenz in den Westschweizer Pflegeheimen auf deutlich über zwei Drittel. Dies dürfte damit zusammenhängen, dass in diesen Kantonen die ambulante Versorgung besonders gut ausgebaut ist. Laut dieser Statistik scheint die im Vergleich zur Bevölkerung geringe Anzahl Pflegeheimplätze von Personen beansprucht zu werden, deren Gesundheitszustand im Durchschnitt schlechter ist als derjenige von Heimbewohner/innen in der Deutschschweiz. 

Grafik über demenz


Umgang mit Demenzerkrankten in Heimen 

Menschen mit Demenz verändern ihr Verhalten und reagieren, aufgrund einer veränderten Wahrnehmung, anders auf ihre Umwelt. Für Aussenstehende ist es oft schwer, zu verstehen, was in der demenzerkrankten Person vorgeht. Im Vergleich zu Menschen ohne Demenz haben sie Schwierigkeiten bei der Entscheidungs- und Wortfindung, sowie bei der Informationsaufnahme.  

Heimbewohner/innen mit Demenz sind jedoch nicht nur in wichtigen Alltagsfertigkeiten eingeschränkt. Durch ihr Verhalten sind sie für das Pflege- und Betreuungspersonal auch anstrengender als Menschen ohne Demenz. Das zeigt eine weitere Studie aus 2012:4 


Grafik verhaltenauffälligkeiten bewohner mit demenz


Was ist der ethisch richtige Umgang? Wie ist zu reagieren, wenn Menschen mit Demenz die Pflege verweigern, was oft die Einzige ihnen verbleibende Möglichkeit selbstbestimmten Handelns ist? 


Um Konflikte zu vermeiden, ist es wichtig, dass Pflegende und Betreuende: 

  • Zeit haben, um Menschen mit Demenz genug Aufmerksamkeit zu schenken 
  • Über das notwendige Wissen verfügen, um zu verstehen, was sie sehen und wie sie handeln können 
  • Biographische Schlüsselinformationen der Bewohner und Bewohnerinnen kennen 
  • In der Lage sind, bei festgefahrenen Situationen alternative, angepasste Lösungen zu finden 

Zu einem guten Umgang mit der Demenz gehört auch die demenzgerechte Raumgestaltung. Dabei geht es darum, Barrieren abzubauen und hilfreiche Anhaltspunkte zur zeitlichen und räumlichen Orientierung zu schaffen. Eine grosse Rolle spielt hier die veränderte Wahrnehmung durch die Demenz, denn das hat weitreichende Folgen für die Verwendung von Farben, Formen und Mustern. 

Unter anderem geht es um Kommunikation mit Demenzerkrankten, den Umgang mit Aggressionen und den Einsatz von Hilfsmitteln und Orientierungshilfen, die den Alltag erleichtern sollen. Auch das Thema Gedächtnistraining als sinnvolle Übung zu Beginn der Demenz wird behandelt. 


Gut zu wissen:  

Man sollte bei der Kommunikation mit Menschen mit Demenz immer auf einen würdevollen und wertschätzenden Umgang achten. Das gilt auch in Situationen, bei dem es einem besonders schwerfällt, zum Beispiel, wenn der an Demenzerkrankte dem Pflegepersonal Vorwürfe macht oder ihn fälschlicherweise beschuldigt. 


3 Tipps zur Verständigung mit Menschen mit Demenz:  

  1. Sagen oder fragen Sie immer nur eine Sache auf einmal
  2. Stellen Sie keine „Warum, Weshalb, Wann und Wo“-Fragen
  3. Zeigen Sie Anerkennung für das, was gelungen ist und weisen Sie nicht auf Fehler hin


Beschäftigung und Spiele für Demenzerkrankte 

Beschäftigung und Spiele für Demenzerkrankte sind aus zwei Gründen wichtig: Zum einen, weil viele Betroffene eine Unruhe entwickeln und zur Beruhigung unbedingt eine Beschäftigung brauchen. Zum anderen, weil Beschäftigung und Spiele die geistige und körperliche Aktivität anregen und soziale Interaktion erzeugen. Das aktiviert und leistet einen positiven Beitrag zum Wohlbefinden der erkrankten Person. 


Ein demenzgerechtes Heim

Nur gerade die Hälfte der Heimleitungen ist der Meinung, dass ihre Institution gut auf die anstehenden Herausforderungen in der Demenzbetreuung vorbereitet ist.5 

Besser vorbereitet als der Durchschnitt fühlen sich Heime, die

  • Über Spezialabteilungen für Menschen mit Demenz verfügen
  • Ihren Mitarbeitenden in den letzten Jahren interne und externe Weiterbildungen ermöglicht haben
  • Über ein Demenzkonzept verfügen


Demenzbetreuung in stationären Alterseinrichtungen 

Was können Sie also tun, damit sich ein Betroffener in Ihrem Heim wohlfühlt?  

Um das häufig als herausfordernd empfundene Verhalten von Menschen mit Demenz interpretieren zu können, brauchen alle Mitarbeitenden – von der Leitung bis zum Reinigungspersonal – Wissen zu Demenz. Verstehen hilft, die Eskalation von Konflikten zu vermeiden. 

Ein umfassendes Betreuungsverständnis hilft auch dementen Personen wertschätzend gegenüber zu sein. Wichtig dabei ist, dass diese Haltung nicht nur dem Betreuungs- und Pflegepersonal gilt, sondern auch anderen Mitarbeitern wie dem Empfang oder der Cafeteria.  

Die Angehörigen werden als Partner in der Betreuung wahrgenommen und als wichtige Informationsquelle für die Biographiearbeit einbezogen. Beziehen Sie die Angehörigen ein.  

Angepasste Innen- und Aussenräume sorgen für eine Hilfestellung. Menschen mit Demenz sollen sich hindernisfrei bewegen können, nach Möglichkeit auch im Freien. Farb- und Lichtgestaltung unterstützen Orientierung und Wohlbefinden. 


Demenz und Inkontinenz 

Im Laufe einer Demenzerkrankung kann eine Inkontinenz entstehen. Dabei verliert die demenzerkrankte Person unkontrolliert Harn (Harninkontinenz) oder Stuhl (Stuhlinkontinenz). Eine Harninkontinenz, die in Folge einer Demenzerkrankung entsteht, zählt zu den sogenannten neurogenen Blasenentleerungsstörungen. 

Je fortgeschrittener die Demenzerkrankung ist, desto ausgeprägter kann die Inkontinenz auftreten: 

  • Inkontinenz bei einer beginnenden Demenz durch Gedächtnisverlust 
    Beispiel: Die demenzerkrankte Person vergisst, auf die Toilette zu gehen oder sie findet nicht mehr den Weg zur Toilette
  • Inkontinenz bei einer fortgeschrittenen Demenz durch organische Störungen 
    Beispiel: Die demenzerkrankte Person verliert die Kontrolle über ihre Harn- beziehungsweise Darmentleerung. Häufig liegt im fortgeschrittenen Stadium beides vor: eine Harn- sowie Stuhlinkontinenz


8 Tipps für die Pflege von demenzerkrankten Menschen mit einer Inkontinenz: 

  1. Erinnern Sie die betroffene Person höflich an den Toilettengang oder gewöhnen Sie sie an feste Zeiten, das WC aufzusuchen
  2. Räumen Sie alle potenziellen Hindernisse zur Toilette aus dem Weg 
  3. Kennzeichnen Sie die Toilettentür und lassen Sie sie in der Nacht auf
  4. Sorgen Sie für eine ausreichende Beleuchtung in der Toilette und für den Weg dorthin
  5. Achten Sie auf Signale wie etwa unruhiges Sitzen, die auf Harndrang hinweisen könnten und reagieren Sie entsprechend
  6. Helfen Sie Betroffenen beim Auskleiden, falls sie Schwierigkeiten haben, den Harn lange zu halten. Achten Sie auf Kleidung, die Sie oder die demenzerkrankte Person leicht ausziehen können – sie sollte keine Verschlüsse haben und elastisch sein 
  7. Zeigen Sie den Betroffenen die Toilettenhilfen, das gibt ein wenig mehr Sicherheit
  8. MoliCare® Inkontinenzprodukte für den optimalen Schutz bei Inkontinenz 


Zum MoliCare® Sortiment

Obwohl offene Inkontinenzprodukte aufgrund von geringeren Kosten und weniger Okklusion den geschlossen Produkten vorgezogen werden sollten, gilt bei Menschen mit Demenz vor allem der Erhalt der Autonomie. Daher ist es durchaus sinnvoll hier die MoliCare® Mobile einzusetzen, obwohl sie zu den teuersten Produkten gehört.

Hannes Wilhelm, Medical Trainer Care IVF HARTMANN AG

Quellen

1 Quelle: www.pflege.de

2 Quelle: Bartet (2012), Auswertung von RAI-Daten im Auftrag der Schweizerischen Alzheimervereinigung 

3 Quelle: Institut de santé et d‘économie (2012), Analyse des démences de type Alzheimer dans la base de données PLAISIR de mai 2012 

4 Quelle: Bartelt (2012), Auswertung von RAI-Daten im Auftrag der Schweizerischen Alzheimervereinigung 

5 Quelle: QUALIS evaluation/BFH (2012),  Demenzbetreuung in stationären Alterseinrichtungen

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