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Fallbeispiel: Feuchtigkeitswunde an der Rima ani
Eine echte Herausforderung bei der Wundversorgung ist es, die Balance zu halten, also ein optimales Gleichgewicht herzustellen zwischen Wunde, behandelter und pflegender Person. Mit modernen Wundauflagen lassen sich alle Anforderungen für eine bessere und schnellere Heilung erfüllen, auch an schwer applizierbaren und besonders beanspruchten Stellen.
Im August 2023 wurde ein 70-jähriger Patient mit einer Feuchtigkeitswunde an der Rima ani vorstellig. Der Gesundheitszustand des Patienten kann allgemein als schlecht bezeichnet werden: geschwächter Immunstatus, konsumierende Grunderkrankung, kognitive Einschränkungen, vollständige Immobilität sowie Harn- und Stuhlinkontinenz. Hinzu kam, dass er durch die in diesem Sommer sehr hohen Temperaturen vermehrt schwitzte. So kam es vor allem in der Gesässspalte zu intensiver Feuchtigkeitsbildung und Staunässe. Die ohnehin geschwächte Hautbarriere konnte diesen Einflüssen nicht mehr standhalten und es bildete sich eine etwa zweieinhalb Zentimeter grosse Feuchtigkeitswunde.
Das Applizieren einer Wundauflage an schwierigen Stellen wie der Rima ani stellt nicht nur Behandler, sondern auch betroffene Patienten vor echte Herausforderungen. Hier, wo durch Schweiss und Inkontinenz ständig Feuchtigkeit entsteht, ist es besonders wichtig, dass der Verband gut haftet, um die Wunde möglichst über mehrere Tage vor Nässe zu schützen – sowohl von aussen als auch von innen durch austretendes Exsudat. Gleichzeitig sollte die Wundauflage während der gesamten Tragedauer komfortabel sein und sich nahezu schmerzlos wechseln lassen. Es gilt also, eine Balance zwischen Adhäsion und leichter Ablösbarkeit herzustellen. Herkömmliche Adhäsive haften oftmals so stark, dass beim Abziehen Hautzellen an der Auflage haften bleiben und mitgerissen werden. Das traumatisiert die Wunde und die sie umgebende Haut. Wundauflagen mit Silikonbeschichtungen können dagegen bedenkenlos verwendet werden. Silikone erfüllen insbesondere bei der Wundversorgung zwei Anforderungen, die eigentlich schwer zu vereinen sind: Sie haften stark an, sind aber gleichzeitig sanft zur Haut. Auf diese Weise werden die Verbandwechsel für Wundpatienten nahezu schmerzlos.
Patienten mit einer Pflasterallergie benötigen zur Wundversorgung allergiefreie Pflaster, denn meist ist der Kleber auf den Pflastern der Auslöser für allergische Reaktionen. Ist der Körper schon geschwächt, wie im vorliegenden Patientenfall, sollte das Immunsystem nicht noch mit Allergenen zusätzlich belastet werden. Das kann nicht nur Patienten betreffen, die generell in einem schlechten Gesundheitszustand sind, sondern auch Menschen, die sich zum Beispiel in der ausserklinischen Langzeitrehabilitation befinden und meist langfristig mit liegenden Sonden und/oder Kathetern versorgt werden. Bei einer Pflasterallergie reagieren Betroffene oft gar nicht auf die Wundauflage selbst, sondern auf die Inhaltsstoffe, welche zum Anhaften der Wundauflagen verwendet werden. Auch die Träger der Wundauflage, wie Latex, können Allergene enthalten, die bei manchen Menschen zu allergischen Hautreaktionen wie Hautausschlag, Pusteln und kleinen Bläschen rund um das Pflaster, Hautrötungen und/oder -jucken und Ekzemen führen.
Ein Vorteil des Silikonadhäsivs ist, dass es direkt auf dem Wundgrund aufliegen kann. Als hydrophobes Material haftet es nur auf trockener, nicht jedoch auf feuchter oder nasser Haut. Auch ein Verkleben mit dem Wundexsudat oder ein Verwachsen mit neugebildetem Gewebe ist damit ausgeschlossen. Zugleich verhindert die haftende Silikonschicht, dass Wundexsudat auf die wundumgebende Haut gelangt und die Haut aufweicht. So lassen sich Wundkompressen ohne Zug und ohne Schmerzen entfernen, und der Heilungsverlauf erfolgt ungestört. Das bedeutet eine enorme Erleichterung für Patienten, gerade bei chronischen oder grossflächigen Wunden. Auch die Narbenbildung verläuft deutlich unauffälliger und das Hautbild wird schöner.

Abb. 1: Aufnahmestatus des Patienten

Abb. 2: Anatomisch gute Anpassung der Wundauflage im Bereich des Gesässes.

Abb. 3: Bereits nach vier Tagen End- und Heilergebnis mit nur einer Zetuvit Plus Silicone Border Sacrum-Wundauflage.
Im vorliegenden Patientenfall durften wir eine neue Generation moderner Wundauflagen testen: von HARTMANN. Sie wurde entwickelt, um die Wund- Balance wiederherzustellen und zu erhalten. Sie verfügt über insgesamt fünf verschiedene Schichten: Direkt auf der Wunde liegt das Silikonwundkontaktgitter mit Haftrand und sorgt hier für ein Gleichgewicht aus Haftung und atraumatischer Entfernung. Die zweite Schicht ist verantwortlich für eine verbesserte Exsudataufnahme, denn sie ist hydrophil und leitet überschüssige Flüssigkeit schnell ab. Die dritte Schicht enthält einen weichen Saugkern mit Superabsorber (SAP), welcher die aufgenommene Flüssigkeit verteilt und sicher einschliesst, indem er sie in ein Gel umwandelt. Eine vierte, grüne und wasserabweisende Schicht dient dem Schutz vor eindringenden Bakterien und Viren sowie zum Verbergen von absorbierter Flüssigkeit. Die fünfte und letzte Schicht besteht aus einer gleichzeitig atmungsaktiven und wasserdichten, transparenten Trägerfolie. Durch eine grosse Auswahl an verschiedenen Formen und Grössen ist die Anwendung dieser silikonbeschichteten SAP-Wundauflage denkbar einfach und geeignet für eine Vielzahl von Wunden – so auch an schwierigen, stark beanspruchten Körperstellen, wie in unserem Patientenfall. Im Bild (Abb. 2) zeigt sich eine anatomisch gute Anpassung der Wundauflage im Bereich des Gesässes. Alternativ kann der Verband auch mit einer semipermeablen Folie im Bereich der Rima ani zusätzlich geschützt werden, um eine Unterminierung mit Stuhl oder Urin zu vermeiden. Mit ihren fünf Schichten kann helfen, alle Herausforderungen der Wundversorgung zu meistern und sämtliche heilungsbezogenen Aspekte in Einklang zu bringen. Dies geschieht erstens, indem sie das Wundmikroklima ausbalanciert: Sie erhält ein feuchtes Wundmilieu, bietet aber gleichzeitig eine hohe Atmungsaktivität. Zweitens kann sie über ihr optimales Exsudatmanagement wundheilungshemmende Faktoren reduzieren, also Bakterien und Matrix- Metalloproteasen effektiv binden. Drittens wird die Wunde durch die Silikonbeschichtung des Verbands optimal geschützt: Diese bietet eine ideale Balance aus Haftung und atraumatischer Entfernung. Zusätzlich übernimmt die Trägerfolie eine Barrierefunktion zum Schutz vor Bakterien und Viren. Und aufgrund der guten Polsterung ermöglicht einen hohen Tragekomfort für Patientinnen und Patienten.
Im vorliegenden Fall profitierte die Wunde von der hohen Absorptions-und Retentionskapazität der innovativen Silikon-SAP- Wundauflage. Durch die Silikonkontaktschicht gab es kein Verkleben mit dem Wundrand oder der umgebenden Haut. Die heilungsspezifischen Prozesse wurden nicht mehr gestört und die Körperpflege konnte wieder ohne Hindernisse stattfinden, was sich wiederum günstig auf die Wundheilung auswirkte. Das Ergebnis: Mit nur einer Sacrum-Wundauflage war die Feuchtigkeitswunde nach nur vier Tagen zu 90 Prozent verheilt. Das hat uns überzeugt, denn diese neue Generation von Wundauflagen unterstützt nicht nur bei der Verbesserung des Gesundheitszustands, sie stellt auch unter dem Aspekt von Kosten und Zeitersparnis eine echte Alternative zu vergleichbaren Silikon- SAP-Schaumverbänden dar.
Autor: Sebastian Kruschwitz Fachbereichsleitung, Wundmanagement, Wundexperte/Pflegetherapeut Wunde ICW, Zentrum für Beatmung und Intensivpflege GmbH in Berlin
Effektivität. Neu definiert.
Zetuvit® Plus Silicone Border hat sich als ideale Lösung beim Feuchtigkeits- und Exsudatmanagement in der Praxis etabliert. Jetzt wurde das Produkt in vielen Details weiter verbessert und das Sortiment um weitere indikationsgerechte Grössen und Formen ergänzt.