Keimverschleppung durch Berufskleidung im Gesundheitswesen

Keimverschleppung durch Berufskleidung im Gesundheitswesen

Unterarme frei für mehr Patientensicherheit!

Die Wahl der Berufskleidung spielt im medizinischen Alltag eine entscheidende Rolle – insbesondere im Hinblick auf die Prävention von Infektionen. Aktuelle Studien zeigen, dass medizinische Kleidung häufig mit Mikroorganismen belastet ist und somit zur Keimverschleppung beitragen kann. Insbesondere lange Ärmel und Kitteltaschen gelten als kritische Bereiche. Aus diesem Grund setzen viele Einrichtungen zunehmend auf kurzärmelige Kleidung wie Kasacks, um hygienische Risiken gezielt zu reduzieren.

Wie stark ist medizinische Berufskleidung tatsächlich belastet?

Untersuchungen zeigen, dass ein signifikanter Anteil der Berufskleidung von Gesundheitsfachpersonen mit potenziell krankheitserregenden Keimen kontaminiert ist.

So sind gemäss einer US-amerikanischen Studie bis zu 30 % der untersuchten Kleidungsstücke mit pathogenen Bakterien belastet1. In jeweils 16 % der Proben wurden Staphylococcus aureus oder gramnegative Bakterien nachgewiesen, Enterokokken in 3 % und multiresistente Erreger sogar in 6 % der Fälle1. Dabei variiert die Belastung je nach Tätigkeit: Pflegehandlungen mit intensivem Patientenkontakt – etwa bei der Wundversorgung oder Körperpflege – führen zu deutlich höheren Kontaminationsraten1. Auch eine israelische Studie zeigt entsprechende Ergebnisse: Über 60 % der untersuchten Kleidungsstücke waren kontaminiert, wobei besonders häufig genutzte Bereiche wie Taschen und Ärmel am stärksten betroffen waren2.


Keime überleben auf Textilien länger als gedacht

Mikroorganismen können auf Textilien über längere Zeit überleben. Ein

zeigt, dass Bakterien – abhängig vom Material – teilweise über mehrere Wochen bis Monate persistieren können. Auf synthetischen Materialien wie Polyester sind Überlebenszeiten von bis zu 206 Tagen beschrieben, während sie auf Baumwolle oft nach rund 90 Tagen absterben3. Viren verlieren ihre Infektiosität in der Regel schneller, bleiben jedoch dennoch über einen Zeitraum von zwei bis vier Wochen nachweisbar3.

Eine konsequente Textilhygiene ist daher ein zentraler Bestandteil der hygienischen Standardmassnahmen im Gesundheitswesen.


Zwischen Hygiene und Vertrauen: der weisse Kittel

Trotz der hygienischen Herausforderungen hat der klassische weisse Kittel weiterhin eine wichtige Bedeutung im medizinischen Alltag. Eine Umfrage der Johns-Hopkins-Universität zeigt, dass Ärztinnen und Ärzte im weissen Kittel als erfahrener, professioneller und vertrauenswürdiger wahrgenommen werden als in alternativer Kleidung4

Für den praktischen Einsatz bedeutet das: Der Kittel bleibt relevant – sollte jedoch innerhalb klar definierter Hygieneregeln getragen werden. Zum Beispiel:

  • Regelmässiger Wechsel der Kleidung
  • Kein Tragen ausserhalb der Gesundheitseinrichtung
  • Ablegen bei direktem Patientenkontakt

Diese Massnahmen tragen dazu bei, das Risiko einer Keimverschleppung zu reduzieren3,5.

Warum «bare below the elbow» so wichtig ist

Für eine wirksame Händehygiene sind freie Unterarme entscheidend. Lange Ärmel erschweren die korrekte Durchführung und erhöhen das Risiko einer Rekontamination. Deshalb ist das Konzept „bare below the elbow“ in vielen Bereichen ein zentraler Bestandteil der Infektionsprävention.

Poster Bare below ellbow DE CH RGB

Zu den hygienischen Standardanforderungen an die medizinische und pflegerische Berufskleidung gehören unter anderem6,7:

  • Verzicht auf Ringe
  • Verzicht auf Nagellack oder künstliche Nägel
  • Verzicht auf Armbänder oder Uhren

Dieses Konzept – international bekannt als „bare below the elbow“ (zu deutsch: "Unterarme frei") – reduziert das Risiko, dass Krankheitserreger an Händen und Unterarmen haften bleiben oder durch die Kleidung übertragen werden. Eine aktuelle Untersuchung zeigt zudem, dass bei konsequenter Umsetzung des “bare below the elbow”-Konzepts die Ärmel signifikant seltener kontaminiert waren. Die Daten liefern damit eine direkte mikrobiologische Evidenz dafür, dass das Freihalten der Unterarme die Keimlast auf der Berufkleidung reduziert8.

Berufskleidung im Gesundheitswesen muss folglich verschiedene Anforderungen erfüllen: Sie soll höchste Hygienestandards unterstützen und gleichzeitig Vertrauen schaffen. Freie Unterarme in Kombination mit einer guten Händehygiene bleiben dabei ein zentrales Prinzip, um Patientinnen, Patienten und Personal bestmöglich zu schützen.

Hier können Sie das Poster „Unterarme frei für die Patientensicherheit“ herunterladen.

Zum Download

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Quellen

  1. Thom KA et al. (2018) 
    Frequent contamination of nursing scrubs is associated with specific care activities
    . Am J Infect Control 46: 503-506.
  2. Wiener-Well Yet al. (2011) 
    Nursing and physician attire as possible source of nosocomial infections
    . Am J Infect Control 39: 555-559.
  3. Kampf G (2020). 
    How long can nosocomial pathogens survive on textiles? A systematic review
    . GMS Hyg Infect Control 15: Doc10.
  4. Xun H et al. (2021) 
    Public Perceptions of Physician Attire and Professionalism in the US
    . JAMA Netw Open 4: e2117779.
  5. Neves HCC et al. (2018). 
    Factors associated with inadequate white coat handling practices by health care workers
    . J Nursing Health Sci 7: 64-70.
  6. KRINKO (2016) 
    Händehygiene in Einrichtungen des Gesundheitswesens
    . Bundesgesundheitsbl 59: 1189-1220.
  7. World Health Organization (2009) 
    WHO Guidelines on Hand Hygiene in Health Care
     (aufgerufen am 26. November 2025)
  8. Damonti et al. (2025) Antimicrob Steward Healthc Epidemiol. 5:e336, 1-3.

Flächendesinfektionsmittel vorsichtig verwenden. Vor Gebrauch stets Etikett und Produktinformationen lesen.

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